Springe direkt zu: Globalnavigation | Hauptnavigation | Inhaltsbereich | Service-Funktionen

Der Treffpunkt Literatur kommt zur letzten Station seiner diesjährigen literarischen Reise durch Deutschland und in die Vergangenheit.
Die Künstlerinnen Ulrike Schlottbohm und Mechthild Lendermann blicken nach Brandenburg in die Zeit unter Reichskanzler Otto von Bismarck. 1895 schrieb Theodor Fontane den Gesellschaftsroman "Effi Briest" über das durch strenge Normen festgelegte Leben im Kaiserreich.
Ein natürliches, fast jungenhaft unbändiges Mädchen wird mit einem wesentlich älteren, prinzipienstrengen Beamten verheiratet. Effi verfällt aus Lebenshunger und Langeweile dem ersten Liebhaber, der sie aber ebenso schnell vergisst. Leichtfertig wie ihr Vergehen ist auch ihre Art, es zu verbergen: nach Jahren findet ihr Mann die Briefe des Liebhabers, deren Inhalt weniger sein Gefühl für seine Frau, als sein Ehrempfinden verletzt. Der Liebhaber wird im Duell getötet, Effi aus der Gesellschaft verstoßen und von ihrem Kind Anna getrennt.
Zu Beginn des Programms zeigen Briefe aus dem Roman von Theodor Fontane, wie klar sich allein aus den Berichten der jungen Frau an ihre Eltern, den Schreiben ihres Gatten und ihres Liebhabers Effis Tragödie abspielt.
Die bekannte Schriftstellerin Christine Brückner schrieb "Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen". In "Triffst Du nur das Zauberwort" lässt sie die bekannte Romanfigur reden. Nach Scheidung und Verbannung, hat Effi keinen mehr, dem sie ihr Leid klagen kann, nur ihren treuen Hund Rollo - aber der ist taub.
Die ebenso abwechslungsreichen wie einfühlsamen Texte sind durchwoben von der Klaviermusik Frédéric Chopins.
Zur der Lesung am 14. September um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Coesfeld, Walkenbrückenstraße 25 sind Karten im Bürgerbüro der Stadt Coesfeld und an der Abendkasse zum Preis von 7,-€ erhältlich.

Nach der beeindruckenden Lesung von Hans Otto Bräutigam zu seiner Zeit bei der Ständigen Vertretung in Ostberlin folgt nun ein Blick auf Menschenleben an der Ostseeküste.
Die Schriftstellerin J. Monika Walther erzählt eine KriminalGeschichte:
Die Ostseeküste nach der Wende. Warnemünde und Rostock.
Was wäre der Westen ohne den Osten? fragt Ida Waschinsky ihren Vater, einen abgewickelten Mathematikprofessor, Ausgabe Ost. Voller Illusionen über den Sozialismus, antwortet er. Ida widerspricht:
Falsch. Ohne Absatzmärkte. Und umgekehrt: Was wäre der Osten ohne die alte Bundesrepublik? Voller Illusionen!
Die neue Zeit, den Umbruch haben sich Fischer und Geschäftsleute, Polizisten und Regimeopfer nicht als einen Krieg ohne Überlebenschancen vorgestellt.
Die tote Frau auf einem alten Kahn, Schmuggel von Menschen und Waren interessieren den aus St. Pauli strafversetzten Polizisten Brinkmöller nur als Möglichkeit, zu viel Geld zu kommen. Ein alter Mann aus dem Westen kauft sich Menschen, die für ihn erpressen, Schutzgelder eintreiben und braune Schlägerbanden aufstellen, ein alter Mann aus dem Osten mit Nazivergangenheit engagiert die Privatdetektivin Ida Waschinsky, um seine gestohlenen Pistolen wieder zu beschaffen.
Und Röwer, ein beiseite geschobener Kommissar, beobachtet die neuen Zeiten, den Krieg an der Ostseeküste und tut seine Pflicht. Den Umbruch überleben und auf die Beine kommen, das wollen alle, aber was sie erleben, ist eine Schlacht, bei der Sieger und Verlierer nicht genau zu definieren sind. Nur die Toten haben ihre Ruhe.
J.Monika Walther, geboren 1945 in Leipzig, stammt aus einer jüdisch-protestantischen Familie, aufgewachsen in Leipzig und Berlin - und kreuz und quer in der ganzen Westrepublik; lebt seit 1966 im Münsterland und den Niederlanden. Sie ist promovierte Publizistin, Dozentin und Verlegerin. Sie arbeitet seit 1976 als freie Schriftstellerin: Prosa, Hörspiel, Lyrik. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Sie ist eine "der bekanntesten deutschsprachigen Hörspielautorinnen." Sie schreibt Hörspiele, Hörbilder und führt Regie.
2009 erschienen der Erzählband "Das Gewicht der Seele" und die Kriminalgeschichte "Goldbroiler oder die Beschreibung einer Schlacht".
Claudia Sauter aus Freiburg begleitet die Lesung musikalisch. Sie spielt seit über 30 Jahren Akkordeon. Zu ihren Repertoire gehören freie Improvisation, Tango, Musette, Klezmer, Evergreens und Swing. Sie erhielt zahlreiche Preise.
J. Monika Walther liest am 11. August um 19.30 Uhr in der Bischofsmühle in Coesfeld-Harle.
Eintrittskarten sind im Bürgerbüro der Stadt Coesfeld erhältlich!
Der Eintritt beträgt 7€.

Es nimmt die Zeit der Wende in den Blick. Vier Lesungen und Rezitationen beleuchten verschiedene Aspekte der Wiedervereinigung. Den Anfang macht die Politikerbiographie von Hans Otto Bräutigam mit dem Titel "Ständige Vertretung" am 5. Juli im WBK.
"Wir wollen einladen genauer hinzusehen. Zum Beispiel auf die unterschiedlichen Erfahrungen und Erlebnisse der Menschen aus der ehemaligen DDR", sagt Sybille Schall aus dem Stadtmarketing Verein. Eine sensible Kriminalgeschichte von der Ostseeküste stellt den unterschiedlichen Umgang der Menschen mit der Wende das. J. Monika Walther liest in der Bischofsmühle aus "Goldbroiler oder die Beschreibung einer Schlacht" (11. August 2010). Die gebürtige Leipzigerin ist eine der meistgespielten Hörspielautorinnen in Deutschland.
Eine sehr persönliche Vergangenheitsbewältigung nachzuempfinden ermöglicht die dritte Lesung. Die heute 80jährige Erika Riemann hat in zwei Büchern eine acht Jahre währende DDR-Haft aufgearbeitet. Das Verbrechen: Sie hatte als 14jährige mit Lippenstift eine Schleife auf ein Stalin-Portrait gemalt. "Die Lektüre dieses ostdeutschen Frauenschicksals hat mich sehr beeindruckt", sagt Ulrike Wissmann. Sie leitet die Familienbildungsstätte, in deren Räumen Erika Riemann am 24. August lesen wird.
Abschließend lassen Tönende Texte von Ulrike Schlottbohm die Stimmen ungehaltener Frauen, am 14. September in der Stadtbücherei, erklingen. "Die bekannte Schriftstellerin Christine Brückner hat unter anderem Effi Briest Worte in den Mund gelegt", erklärt Büchereileiterin Brigitte Tingelhoff. Der ungebrochene Schulklassiker sei erst kürzlich durch eine neue Verfilmung in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. "Die szenische Lesung ist quasi der Beitrag Fontanes zum Osten Deutschlands", schlägt Elisabeth Roters-Ullrich vom Literaturbüro Ruhr den Bogen zum übergreifenden Thema Zeitenwende.
Alle Veranstaltungen beginnen um 19.30 Uhr und bieten zusätzlich einen musikalischen Beitrag zum Atemholen.
Längst ist der Treffpunkt Literatur aus dem kulturellen Kalender der Kreisstadt nicht mehr wegzudenken. "Unser Angebot ist zu einem Selbstläufer geworden", stellt Sybille Schall erfreut fest. Lesungen und Rezitationen an verschiedenen Orten in Coesfeld unter einem verbindenen Thema gehören in die Sommerzeit. "Wir bieten ein schönes Ambiente und ermöglichen mit bis zu 100 Teilnehmern je Veranstaltung eine große Nähe zu Autoren und Künstlern", sagt Elisabeth Roters-Ullrich. "Wir bieten Literatur zum Anfassen", ergänzt Sybille Schall.
Dr. Hans-Hermann Westermann, Leiter des städtischen Fachbereiches Kultur und Weiterbildung, unterstreicht, Kultur sei Nahrung für den Geist eine bedeutsame öffentliche Aufgabe. "Dieser Auftrag treibt uns alle an. Wenn wir nicht aufpassen, dann wissen die Jüngeren nicht mehr was eine Lesung ist", betont Elisabeth Roters-Ullrich.
Der Veranstalter-Zusammenschluss hat es ermöglicht, die finanziellen Mittel zu bündeln und dem Publikum ein verlässliches Programm zu bieten. Partner sind der Förderverein der Stadtbücherei, die Volkshochschule, Familienbildungsstätte / Katholisches Bildungsforum und die Gleichstellungsstelle der Stadt Coesfeld. Treffpunkt Literatur wird unterstützt vom Stadtmarketing Verein, der Buchhandlung Heuermann und von der VR-Bank Westmünsterland. Die Reihe wird von Elisabeth Roters-Ullrich, Literaturbüro Ruhr e.V., fachlich begleitet.
Karten sind für 7€ (Einzelkarte) oder als günstige Viererkarte für 25€ im Bürgerbüro der Stadt und in der Buchhandlung Heuermann, sowie an der Abendkasse erhältlich.