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"Die Schleife an Stalins Bart" und "Stalins Bart ist ab" von Erika Riemann

Die spannendsten und erschütterndsten Geschichten schreibt oft das Leben. Sie gehen einem nah und klingen nach der Lesung noch lange nach.

Die Autorin Erika Riemann wurde am 25.12.1930 geboren. Das wichtigste und sicherlich schlimmste Kapitel ihres Lebens begann 1945 mit 14 Jahren. Sie begeht einen Fehler, der sie um die Jugend bringt. Als sie eines Tages mit ein paar anderen Jugendlichen ihre gerade wiederhergerichtete Schule besichtigt, fällt ihr Blick auf ein Bild von Stalin, genau an jener Stelle, an dem bis vor kurzem ein Hitler Portrait hing. Mit den Worten "Du siehst ja ziemlich traurig aus" trat sie an das Bild heran und malte mit ihrem Lippenstift eine Schleife um den Schnauzbart. Acht Jahre muss sie dafür hinter bewachten Mauern verbringen. Erst fast 50 Jahre danach hat sie die Sprache gefunden, um von ihrem gestohlenen Leben zu berichten. Und das Spannende an diesem Bericht ist, dass damit das Buch nicht endet, sondern dass sie weiter erzählt. Die meisten Häftlingsgeschichten enden mit der Freilassung und dann ist irgendwie alles gut oder man erfährt nicht, wie es den Leuten danach ging. Und sie schreibt weiter und beschreibt ihre ganzen Schwierigkeiten, im Leben wieder anzukommen. Nach diesem ersten Buch ist sie plötzlich in eine neue Rolle hineingeraten. Sie wird zur Zeitzeugin, ist viel gefragt. Dieses Buch ist eine große Sensation und sie wird zu Lesungen, in Fernseh-Talkshows eingeladen, reist durch die Lande.

Nach ihrem Bestseller "Die Schleife an Stalins Bart" berichtet Erika Riemann in ihrem neuen Buch "Stalins Bart ist ab" über die so schwierige wie lohnende Arbeit, sich den jahrzehntelang verdrängten Erinnerungen an erlittenes SED-Unrecht zu stellen. Sie spricht von sich, aber sie spricht für viele.

Ach, ich bin frei. So endet das erste Buch: Jetzt hab ich mich freigeschrieben. - Und das zweite beginnt damit, dass sie merkt: Ich bin gar nicht frei. Und dann erzählt sie in dem Buch, dass sie im Grunde das Gefängnis mitschleppt. Es ist in ihr drin.

Erika Riemann erhielt 2009 das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. 

Der Treffpunkt Literatur (FBS, VHS, Stadtbücherei und Stadtmarketingverein mit Unterstützung durch Elisabeth Roters-Ullrich. der VR-Bank und der Buchhandlung Heuermann) laden herzlich ein.

Erika Riemann liest am 24. August 2010 um 19.30 Uhr in der Familienbildungsstätte aus ihren beiden Büchern. Begleitet wird sie dabei auf der Gitarre von Raphael Ophues, dem Bundesieger "Jugend musiziert"

Karten sind noch für 7,-€ im Bürgerbüro und an der Abendkasse erhältlich.