Stadt Coesfeld

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27. Juli 2010 08:47

Steine und Briefe aus Coesfeld für die Gedenkstätte in Riga

Bürgermeister Heinz Öhmann nimmt als Repräsentant der Stadt Coesfeld an Gedenkstunde zum zehnjährigen Bestehen des Rita-Komitees teil


Bürgermeister Heinz Öhmann legt zum Gedenken an die ermordeten Coesfelder Mitbürger die von Coesfelder Schülern gesammelten Steine ab. Der Coesfeld-Gedenkstein wurde mit Spenden aus der Coesfelder Bevölkerung im Rahmen des Beitritts zum Riga-Komitee im November 2006 finanziert.

Coesfeld/Riga (Lettland). Steine und Briefe für jeden in Riga ermordeten Coesfelder Mitbürger legte Bürgermeister Heinz Öhmann auf der Gedenkstätte Riga-Bikernieki nieder. Die Steine hatten Schülerinnen und Schüler der Klasse 8 c der Theodor-Heuss-Realschule mit Lehrerin Claudia Hasskamp an früheren Wohnorten der Deportierten gesammelt. Außerdem hatten die Mädchen und Jungen fiktive Briefe geschrieben.


Repräsentanten aus 24 Städten gedachten am 9. Juli an der Gräber- und Gedenkstätte in Riga-Bikernieki der über 20 000 Menschen, die 1941 und 1942 an diesem Ort ermordet wurden – darunter auch 18 Menschen aus Coesfeld. Bürgermeister Öhmann ist bewegt, als er seine persönlichen Eindrücke schildert: "Wir waren am Ort des Sterbens der deportierten Menschen. Dort trafen sich die Vertreter aus den Orten des Lebens dieser Deportierten. Bei der Gedenkfeier waren ein jüdischer Rabbi und ein katholischer Priester zugegen. Das war beeindruckend.“


Anlass der Gedenkstunde war das zehnjährige Bestehen des Deutschen Riga-Komitees. In ihm wirken zahlreiche deutsche Städte, aus denen damals die Transporte abgingen, die Stadt Wien und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zusammen. Aufgabe des Zusammenschlusses ist es, die Erinnerung an die im Wald von Bikernieki ermordeten Mitbürger aufrecht zu erhalten. Heute zählt das Komitee 38 Städte zu seinen Mitgliedern - darunter seit November 2006 die Kreisstadt Coesfeld.


Im Zuge der „Endlösung der Judenfrage“ ordneten die NS-Behörden ab 1941 Massendeportationen der jüdischen Bürger vornehmlich nach Osteuropa an. Etwa 25.000 deutsche, österreichische und tschechische Juden aus dem damaligen Deutschen Reich ließen sie nach Riga deportieren. Nur etwa 1.000 überlebten. Die meisten wurden im Wald von Bikernieki durch die deutsche Sicherheitspolizei und lettische Hilfskräfte erschossen und in Massengräbern verscharrt.


Als ersten Schritt errichtete der Volksbund den Opfern eine würdige Gräber- und Gedenkstätte am Ort ihres Sterbens. Sie wurde 2001 eingeweiht. 2003 erschien das „Buch der Erinnerung“. Das zweibändige Werk führt die vollständigen Deportationslisten auf und schildert den Leidensweg dieser Menschen. Es enthält über 31 300 Namen und Lebensdaten.


In Riga haben die Repräsentanten der Riga-Komitee-Städte weitere jüdische Friedhöfe sowie einen neu eingerichteten Friedhof für deutsche Soldaten besucht. „Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat die Gräber hergerichtet. Es ist deutlich geworden, dass die Volkskbund-Arbeit in Osteuropa noch nicht beendet ist“, erklärt Bürgermeister Heinz Öhmann. Es sei ihm wichtig, mit den Volksbund-Vertretern die Arbeit des Coesfelder Arbeitskreises Riga-Komitee fortzuführen. „Mit unseren Partnern, den Vertretern von Pax Christi, den weiterführenden Schulen, dem Heimatverein und dem Stadtarchiv entwickeln wir Konzepte, um die nachfolgenden Generationen zu informieren und zu sensibilisieren.“


Links:

www.volksbund.de

 

Das Riga-Komitee im Virtuellen Rathaus:

osiris.citeq.de/280+M5622c43a507.0.html