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08.11.2017

Sie weckten Wünsche - Modellbahn-Kataloge aus alter und neuer Zeit

Neue Jahresausstellung im Alten Bahnhof Lette, geöffnet jeden 1. Sonntag im Monat und nach Vereinbarung

In Coesfeld existierte von 1950 bis 2012 das Spielwarenhaus Franz Peckedrath an der Letter Straße und schloß dann leider wie viele andere klassische Spielwarengeschäfte seine Pforten. Der demographische Wandel und das veränderte Kaufverhalten der Kunden führten dazu. Man ließ sich zwar gerne vor Ort beraten, kaufte dann aber im Internet. Da kann kein Geschäft lange bestehenbleiben. Wie häufig wurden früher in Schulpausen die neuen Auslagen mit Lokomotiven, Waggons, Häusern und Bahnhöfen, Figuren und Bäumen bewundert. Am Schaufenster drückte man sich die Nase platt, um besser schauen zu können. Die ebenfalls ausgestellten Puppen, Gesellschaftsspiele und Kinderwagen straften die Jungs mit völliger Mißachtung. Am besten wäre die gesamte Ausstellungsfläche rein von Modellbahnartikeln besetzt gewesen!
Etwa sechs Wochen vor Weihnachten wurde der Postbote sehnsüchtig erwartet, brachte er doch jedes Jahr für die Kunden des Spielwarenhauses Peckedrath eine gelbe Postkarte. Diese war ein Gutschein für einen Märklin-Katalog, den man nur allzu gerne sofort im Geschäft einlöste und in dem nun rechtzeitig vor dem großen Fest alle angebotenen Modellbahnartikel eifrig studiert werden konnten. Da wurden Wünsche geweckt und hoffnungsvoll auf Zettel geschrieben „An das Christkind“. Leider hatte das Christkind nicht immer ein Einsehen (oder die nötigen Geldmittel…). Die wuchtige 44er Dampflok mit vielen Güterwagen, das wäre doch etwas gewesen! Doch sie blieb ein Traum, der sich für Pater Daniel Hörnemann erst nach über vierzig Jahren erfüllte. Man muß nur lange genug hoffen und warten können…
 Immerhin fuhr als erste Lok 81 004 zu Weihnachten 1959 auf der kleinen Märklin-Anlage ihre Bahnen. Welche Seligkeit für den vierjährigen begeisterten Bahnfreund! Im Jahr darauf kam das „Steppenpferd“ in Gestalt von 24 058 mit drei Abteilwagen hinzu.
 Bis heute blieb es ein Geheimnis: Wie in aller Welt hatte das Christkind es bloß geschafft durch das Oberlicht im zweiten Stock eines Mietshauses das Anlagenbrett und sämtliche Zutaten ins Wohnzimmer zu befördern? Die Modellbahnanlage war so konzipiert, daß sie nach dem Spieltag auf einem Bett im engen Kinderzimmer zur Nachtruhe unter ein Bett verbannt werden konnte. Die erste vom mühsam ersparten Taschengeld 1968 für 21 DM selbstgekaufte 89 028 war zwar auch eine Errungenschaft, entbehrte aber des weihnachtlichen Zaubers der Anfangszeit. Dieser Zauber wird allerdings immer wieder wach beim Betrachten der alten Modellbahnkataloge mit ihren prächtig gestalteten Titelseiten.
In England, dem Mutterland der Eisenbahn, werden seit Beginn des 19. Jahrhunderts Modelle von Eisenbahnzügen gefertigt. Anfangs waren sie auch Werbemodelle für die Originale. So erhielt Johann Wolfgang von Goethe 1829 von englischen Freunden ein Modell der Rocket „für seine Enkel“. Im Jahr 1835, als der Adler erstmals auf der Strecke von Nürnberg nach Fürth verkehrt, und damit die Eisenbahn in Deutschland ihren bescheidenen Anfang nimmt, erscheinen auch ein farbiger Ausschneidebogen des Adlerzugs und passende Zinnfiguren. Fünf Jahre später tauchen dann in Deutschland die ersten aus Blech hergestellten Eisenbahnnachbildungen auf. Das erste Kind, das nachweisbar eine Modelleisenbahn besaß, war 1859 der kaiserliche Prinz Napoléon Eugène Louis Bonaparte. Aus der unüberschaubar großen Welt der kleinen Bahnen und ihrer Hersteller wurden aus der eigenen Sammlung einige Modellbahn-Kataloge ausgewählt, die einen Zeitraum von über 100 Jahren umspannen. Allen voran von der Göppinger Firma Märklin, die ab 1895 ihre erste Kataloge druckte, aber auch von vielen anderen in- und ausländischen Firmen. Die historischen Kataloge und einige Modelle konnten in neu erworbenen Vitrinen ausgestellt werden. In den frei gewordenen alten Vitrinen werden nun in der Güterabfertigung Originalteile von der großen Bahn präsentiert. Zudem bieten die Eisenbahnfreunde gratis zahlreiche neue Kataloge und gegen kleines Geld historische Dubletten an.
Weitere Informationen: www.bahnhof-lette.de info@bahnhof-lette.de
Die Ausstellung ist an jedem 1. Sonntag im Monat 15-18 Uhr sowie nach Absprache geöffnet (02541/6986).

Der historische Katalog der Firma TT Zeuke durfte mit deren Genehmigung als Plakatmotiv genommen werden. Das Bild zeigt einen kleinen Jungen mit seiner Modellbahn vor dem großen Original mit Dampflokpersonal der Reichsbahn (DDR).