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05.02.2018

Kreuzschüler erinnern in Gedenkfeier an Anne Frank

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Jüdischen Friedhof

Foto: Stadt Coesfeld

Schülerinnen und Schüler der Kreuzschule erinnerten gemeinsam mit ihren Lehrern während der Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus in eindringlichen Texten und persönlichen Briefen an das Schicksal von Anne Frank. Sie mahnten gemeinsam mit Bürgermeister Heinz Öhmann, Ausgrenzung und Rassismus zu bekämpfen. Für das Thema gewonnen hatte die Schülerinnen und Schüler die ehemalige Lehrerin Claudia Haßkamp, die sich seit Jahren im Rigakomitee der Stadt einsetzt.

Hier ein Auszug aus der Ansprache von David Rehmann, Lehrer der Klasse 10 AI:

(...)

"Am heutigen, genauer gesagt eigentlich morgigen Tag, gedenken wir der Opfer des Nationalsozialismus. Nicht zufällig ist das Datum hierfür der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, der 27. Januar.
So wird symbolisch das schlimmste Menschheitsverbrechen dieser Diktatur in unser Gedenken hereingenommen.
Die Spuren dieser Gewaltherrschaft, das was davon in Erinnerung bleibt, aber auch das, was daraus gefolgert wird, bestimmen wir, die Nachfolgenden.
So begaben wir, die Schülerinnen und Schülern der Klasse 10 AI, mein Kollege Herr Fox und ich, uns auf den Weg der Auseinandersetzung.
Es bot sich an, hierfür Anne Frank zu wählen. Was nach einer „gewöhnlichen“ Wahl für dieses Thema klingt, hat einen konkreten Hintergrund:
Die ehemalige Anne-Frank-Schule wurde in den letzten zwei Jahren in die Kreuzschule integriert. Wie selbstverständlich wurde der Name „Kreuzschule“ im Rahmen eines Verwaltungsaktes für die zusammengefasste Schule verwendet. Somit gibt es keine „Anne-Frank-Schule“ in Coesfeld mehr. In unserer Klasse sind 11 von 19 Schülerinnen und Schülern ursprünglich aus der ehemaligen Anne-Frank-Schule.
Man sollte über das so reibungslos erscheinende Verschwinden dieses Namens ein Gespräch führen.
Beim Arbeiten über Anne Frank entstanden Fragen:
Was bedeutet dieses Schicksal für uns heute?
Kann man das überhaupt mit irgendetwas anderem aus der heutigen Zeit vergleichen?
Mit Anne Frank und ihrer Ermordung hatten wir beispielhaft den Gipfel der Unmenschlichkeit betrachtet und nun wurde der Gruppe klar, dass es auch um den Anfang geht, der eine solche Entwicklung erst ermöglicht.
Wo beginnt Ausgrenzung?
Das „Othering“, wie es in Fachkreisen genannt wird. Ich habe es von Carolin Emcke, die einigen von Ihnen vielleicht durch ihr Buch „Gegen den Hass“ bekannt ist.
Zu diesem „Othering“ reicht es bereits aus, bei der Wahrnehmung des Anderen Menschen die eigenen Gedanken  engzuführen. „Othering“ bedeutet, man sieht den Gegenüber nur als Teil einer Gruppe, mehr nicht. Es beginnt damit eine Nicht-Wahrnehmung des Anderen als eines gleichwertigen Menschen mit Individualität und gleicher Würde.
Unser Zugang richtete sich immer stärker aus auf diesen Aspekt: „Ausgrenzung“ und dazu auch „Zivilcourage“.
Heute, hier, bei uns.
Dabei entstanden Briefe, die die Jugendlichen an Anne schrieben, um ihr von ihren Erfahrungen zu berichten.
Jede und jeder einzelne setzte sich damit auseinander und die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich."