zum Orange Day am Freitag (25.11.): Liebe endet, wo Gewalt beginnt

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Auf der roten Bank am Schützenwall Platz nehmen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen

vier Frauen an der roten Bank
Bildunterschrift: Haben gemeinsam dafür gesorgt, dass es nun am Schützenwall eine rote Bank gibt, die aufmerksam machen soll auf das Thema Gewalt gegen Frauen. (vlnr.) Gleichstellungsbeauftragte Anne Hemker, Jennifer Zender, Miriam Harosh-Pätsch und Corinna Brandenburger von frauen e.V. Foto: Stadt Coesfeld

Gemeinsame Pressemeldung der Stadt Coesfeld und von frauen e.V.

Passend zum 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, auch Orange-Day genannt, wurde jetzt die erste rote Bank im Kreis Coesfeld aufgestellt. Sie lädt an der Promenade am Schützenwall in der Nähe der Münsterstraße dazu ein, mit Blick ins Grüne Platz zu nehmen. „Liebe endet, wo Gewalt beginnt“, dieser Satz steht in mehreren Sprachen in großen weißen Buchstaben auf der signalrot leuchtenden Sitzbank. Die an der Sitzbank befestigte Plakette mit der Botschaft „Platz nehmen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ enthält einen QR-Code, über den Betroffene zum Hilfetelefon gegen Gewalt an Frauen gelangen.

Initiiert wurde die Aktion von frauen e.V., der Beratungsstelle für Mädchen und Frauen und Fachstelle gegen Gewalt im Kreis Coesfeld in Kooperation mit Anne Hemker, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Coesfeld.  Die Sparkasse Westmünsterland unterstützte das Projekt finanziell.

Die rote Bank am Schützenwall soll zum einen für das Thema Gewalt gegen Frauen sensibilisieren und zum anderen die Schicksale der Betroffenen von häuslicher Gewalt und die Opfer von Femiziden sichtbar machen. Alle sind daher eingeladen, die Bank zu besuchen, dort zu verweilen, ihre Solidarität zu zeigen und sich damit für das Recht auf ein Leben ohne Gewalt für Mädchen und Frauen zu positionieren.

Zum Thema: Die rote Bank

Die Aktion "La panchina rossa", übersetzt "Die rote Bank", begann 2016 in der italienischen Stadt Perugia. Ziel war es, auf die hohen Zahlen häuslicher Gewalt aufmerksam zu machen. Auch in Deutschland wächst die Anzahl der Städte, wo an öffentlichen Plätzen mit der roten Bank ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen gesetzt wird.

„Weltweit ist jede dritte Frau von Gewalt betroffen“, sagt Corinna Brandenburger, Mitarbeiterin von frauen e.V. und weist damit auf die Dimension Häuslicher Gewalt hin. Geschlechtsspezifische Gewalt kann jede Frau treffen – unabhängig von Alter, sozialem und kulturellem Hintergrund. In solchen Beziehungen wird von Männern sehr schnell ein enger, kontrollierender Kontakt zur Partnerin aufgebaut. Es wird räumliche Nähe, finanzielle und rechtliche Abhängigkeit geschaffen, etwa durch sehr schnelles zusammenziehen, heiraten wollen oder gemeinsame Kontoführung, was von vielen Menschen von außen erstmal als “romantisch” gesehen werden könnte. „Wir in der Frauenarbeit sehen diese Verhaltensweisen aber eindeutig als „red flags“ im Sinne von Warnzeichen. Es wird ungewöhnlich schnell eine enge und exklusive Beziehung aufgebaut, die dann immer mehr in die Isolierung der Frau und zu ihrer Einschüchterung führt.“ sagt Miriam Harosh-Pätsch, die Leiterin der Beratungsstelle. Dann komme es zu den ersten Gewalthandlungen in der Beziehung. Zuerst verbal, dann aber auch körperlich. Und immer wieder zeige der Täter große, scheinbar aufrichtige Reue und die Gewaltspirale setzt ein.

Eine Frau, die ihren Partner verlässt, lebt gefährlich. Auch in Deutschland. Jeden Tag versucht ein Mann in Deutschland seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten, an jedem dritten Tag wird eine Frau ermordet. Bei diesen versuchten oder vollendeten Tötungsdelikten geht es nicht um Leidenschaft, auch nicht um Liebe. Es geht, wie bei den meisten Gewaltformen, insbesondere bei Gewalt in Partnerschaften, um Macht. Die Machtkomponente bei Gewalt im Geschlechterverhältnis wird oft nicht gesehen. Ebenso wie die patriarchalen Muster, die Jungen und Männer im Laufe ihres Lebens erlernt haben. Denn immer noch wähnen sich Männer in dem Glauben, dass eine Frau ihnen gehört.

Wenn dieser Anspruch konsequent zu Ende gedacht wird, bedeutet das für den Partner “Wenn ich dich nicht haben kann, dann darf dich niemand haben” Männer töten, um ihre Macht zu behalten – so absurd das auch klingt. Frauen werden getötet, weil sie Frauen sind.

Frauen und Mädchen ab 14 Jahren, die psychische, körperliche und/oder sexualisierte Gewalt erfahren haben oder davon bedroht sind, können sich bei frauen e.V. beraten lassen. Zusätzlich ist das Hilfetelefon gegen Gewalt an Frauen unter der Telefonnummer 08000 116 016 kostenlos, anonym und rund um die Uhr erreichbar.

Alle Informationen auch unter: www.frauen-ev.de

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