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Coesfeld beteiligt sich am Austausch zur Erinnerungskultur

Fünfte Gedenk- und Erinnerungsreise des Riga-Komitees

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etwa 50 Personen im Rathaus-Foyer in Riga
Die Delegierten-Gruppe im Rathaus von Riga, Dr. Kristina Sievers-Fleer in der Reihe vor der Wand, 5.v.l. © Gints Ivuškāns
Menschenmenge an einer Skulptur auf einer Waldlichtung, in einem Pavillon Musiker
(2) Gedenken in Bikernieki © Gints Ivuškāns
flache Steinplatte mit dem Schriftzug "Coesfeld" zwischen anderen aufrecht stehenden Stein-Stelen, auf dem Stadtnamen abgelegt eine weiße Rose
(3) Ortstafel von Coesfeld in der Gedenkanlage Bikernieki © Stadt Coesfeld

Museumsleiterin Dr. Kristina Sievers-Fleer nahm jetzt als Vertreterin der Stadt Coesfeld an der 5. Gedenk- und Erinnerungsreise des Riga-Komitees nach Riga in Lettland teil. Mehr als 40 Delegierte aus den mittlerweile 80 Mitgliedsstädten des Riga-Komitees folgten der Einladung des Bundesverbands des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der die Reise organisiert hatte.

Für Dr. Kristina Sievers-Fleer hinterließ die Reise einen tiefen Eindruck: „Die Reise war sehr bewegend. Für die städtische Erinnerungskultur ist das Foto der 19 jüdischen Coesfelderinnen und Coesfelder unmittelbar vor ihrer Deportation nach Riga zur zentralen Bildikone geworden. Wir haben in Coesfeld die Orte vor Augen, an denen diese Menschen gelebt haben und von denen aus sie deportiert wurden. An den Orten zu stehen, an denen sie in Riga ankamen, wo sie untergebracht wurden und wo einige von ihnen gemeinsam mit mehr als 30.000 weiteren Menschen ermordet und verscharrt wurden, macht sprachlos. Gerade diese unmittelbare Erfahrung zeigt, warum Erinnerungskultur unverzichtbar ist: Sie gibt den Opfern ihre Namen und Geschichten zurück und erinnert uns daran, welche Verantwortung wir heute tragen, Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus und Ausgrenzung entschieden entgegenzutreten.“

Das umfangreiche Programm der Reise bot den Teilnehmenden zahlreiche Gelegenheiten zum gemeinsamen Gedenken, zum Austausch und zur vertieften Auseinandersetzung mit der Geschichte der Deportationen. Zum Auftakt wurden die Delegationen von Viesturs Kleinbergs, Bürgermeister der Stadt Riga, im Rathaus empfangen. Anschließend führte das Programm unter anderem zum ehemaligen Lager Jungfernhof, den Überresten des ersten Konzentrationslagers in Lettland. Die Führung erfolgte in Abstimmung mit der Jüdischen Gemeinde durch Ilya Lensky, Direktor des Museums der Juden in Lettland, gemeinsam mit Nachfahren von Überlebenden.

„Es waren Nachfahren von Überlebenden aus Städten, die mit Delegationen vertreten waren. Gerade diese Begegnungen hat uns Teilnehmende am meisten bewegt und deutlich gemacht, dass Erinnerungskultur weit mehr ist als das Bewahren historischer Fakten. Sie lebt von den Menschen, ihren Familiengeschichten und den authentischen Orten, an denen Geschichte erfahrbar wird“, reflektiert Dr. Kristina Sievers-Fleer ihre Teilnahme.

Auch der Aufenthalt an der Gräber- und Gedenkstätte Bikernieki war ein zentraler Bestandteil der Reise. Am Namensstein ihrer jeweiligen Stadt gedachten die Delegierten der deportierten Menschen und nahmen an der offiziellen Gedenkveranstaltung teil. Darüber hinaus besuchten sie die zentrale Gedenkveranstaltung zum lettischen Holocaust-Gedenktag an der Ruine der Großen Choral-Synagoge und dem Holocaust-Denkmal. Im Museum „Juden in Lettland“ tauschten sie sich mit Museumsdirektor Ilya Lensky über die Geschichte der jüdischen Gemeinde sowie über aktuelle Herausforderungen und Perspektiven der Erinnerungsarbeit aus. 

Zum Thema:

Die Stadt Coesfeld gehört dem Deutschen Riga-Komitee bereits seit 20 Jahren an. Das Netzwerk erinnert an die Deportation deutscher Jüdinnen und Juden in das Ghetto Riga sowie an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen. Ziel des Riga-Komitees ist es, die Erinnerung an die Schicksale der Deportierten über Stadtgrenzen hinweg lebendig zu halten und die Verantwortung der heutigen Generationen für eine aktive und zukunftsgerichtete Erinnerungskultur zu stärken.